Landgemeinde Schönhöhe (Powalczin)   [Powałczyn]

Aus Geschichte, Wirtschaft und Kultur

Schönhöhe ist als Schatulldorf gegründet. In der am 15. Juni 1765 ausgestellten Handfeste Friedrichs des Großen heißt es: "Seine Kgl. Majestät von Preußen, unser allergnädigster Herr konfirmieren und bestätigen die hierbei geheftete von höchst der Ostpreußischen Kammer der Chatouldorfschaft Powaltzin, Amts Friedrichsfelde, erteilte Erbverschreibung, nach welcher derselben 11 Hufen Oletzkov. oder 22 Hufen 14 Morgen 22 Ruten Magdeb. Maßes erb- und eigentümlich überlassen wird. Sie zahlen dafür einen jährlichen Zins von 32 Reichstalern 30 Groschen. Sie erhalten kein freies Bauholz, sondern sie sind schuldig und verbunden, in vorkommendem Falle solches sich aus eigenen Mitteln anzuschaffen und ihre Höfe jedesmal mit einem Wohnhause, einer Scheune und einem Schuppen gut bebaut zu unterhalten. Zur Feuerung müssen Acquirenten, da sie keine eigene Waldung haben, sich in der königlichen Heide einmieten, wofür sie nach der Forstordnung jährlich dem Forstamte eine bestimmte Miete abzutragen haben. Sie müssen Stege, Wege und Brücken in ihren Grenzen jederzeit in gutem Zustande erhalten, zu Wolfsjagd Leute stellen, zu Forstdiensten und königlichen Amtsgebäuden Baumaterialien anfahren und ihre Schule unterhalten."

Der erste Dorfschulze hieß Christoph Piechottka. Als erste Schatuilbauern werden genannt: Casimir Karpinski, Jakob Kolpek, Thomas Puzicha, Johann Burbulla, Martin Puzicha, Johann Juraszik, Michael Rohde, Michael Juraszig und Andreas Orzissek. In der Friedrichsfelde Prästationstabelle 1768 sind 11 Wirte verzeichnet. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Ortes findet sich in den Bereisungsprotokollen (Friedrichsfelde Prästationstabelle 1781) folgende Notiz: "Im Dorf werden vorwiegend Kartoffeln angebaut. Heuertrag nicht ausreichend. Das Heu muß in Polen gekauft werden. Vermögensumstände: Nur schlecht." 1787/88 wurden dem Ort gelegentlich der Separation der Puppener Forst 9 H 9 M 175 R Oletzk. (Scheffelplätze) zugewiesen. Im Jahre 1801 wurde die Dorfgemarkung um 36 M Wiesenplätze im "Waldort, genannt Kwiattuszeck" vergrößert. 1835 (Friedrichsfeldes Prästationstabelle) wohnten in Powalczin (31 H 15 M 132 R magdeb.) 12 Schatuller, drei Erbfreie und drei Eigenkätner. Am 30. März 1861 wurde Opuckelmühle, gegründet am 10. Juni 1753, "mit dem Kommunalverband des Dorfes Powalczin vereinigt." Es umfaßt 1840 173 M 41 R (Besitzer: Adam Pieweck). Im Zuge der Gemeindeauseinandersetzung, die 1872 in Powalczin beendet war, bauten sich sechs Bauern aus.

Eine wirtschaftliche Ertragssteigerung in den 25 landwirtschaltlichen Betrieben (9: 0,5-5 ha, 4: 5-10 ha, 6: 10-20 ha, 6: 20-100 ha) läßt sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts feststellen. Sie war eine Folge der Anwendung moderner Wirtschaftsmethoden. Die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung war von einer lebhaften Bautätigkeit begleitet. 1922-1937 wurden im Dorf fünf Wohnhäuser, acht Stallungen und acht Scheunen gebaut. Die Verkehrsverhältnisse wurden 1936 durch Ausbau einer zur Kreisstraße Ortelsburg-Sensburg führenden Stichchaussee wesentlich verbessert. Die im Zeitalter Friedrichs des Großen gegründete Volksschule wurde von den Kindern des Forstamts Ratzeburg, der 11 Seenwalder Abbauten und Schönhöhe (Powalczin) besucht. Das in den 80er Jahren erbaute Schulgebäude wurde 1935 ausgebaut und modernisiert.

Über das Schicksal der Landgemeinde am Ende des Zweiten Weltkrieges entnehmen wir einem Bericht von Albert Hennig folgende Angaben: Von Russen ermordet: Wilhelm Stankewitz. Verschleppt: Alfred Andrich, Michael Druba, Gerhard Pchayek, Wilhelm Toporzissek, Werner Toporzissek. 11 Einwohner sind als Wehrmachtangehörige gefallen, darunter drei Söhne des Bürgermeisters. Drei Soldaten werden vermißt. In der Heimat starben nach Kriegsschluß 19 Personen. Otto Kullik schlug sich bei Kriegsende als Soldat durch die masurischen Wälder zu seinen Eltern nach Schönhöhe (Powalczin). Auf einer Wegekreuzung, ca. 100 Meter vom Dorf, trat er auf eine Tellermine und starb im Angesicht seines Elternhauses.

Max Meyhöfer in "Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg" © 1984 by Kreisgemeinschaft Ortelsburg



Ausbauhöfe:   1. Emil Leimann   2. Adolf Pawellek   3. Paul Reitzuch, seit 1943: Thomar   4. Gottlieb Krause   5. Wilhelm Bubrecht   6. Heinriette Sobottka

Ausbauhöfe Seenwalde: (Nach einer Mitteilung von A. Hennig)   1. Johann Todzi   2. Rudolf Krause   3. Wilhelm Buttler   4. Karl Badczinski   5. Gustav Wielk   6. Johann Skibba   7. Johann Latza   8. Karl Iwanowski   9. Wilhelm Helm   10. Johann Lukas   11. Samuel Patz

Ergänzungsband "Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg" © 1971 by Kreisgemeinschaft Ortelsburg